Pressemitteilung

Norbert Schwontkowski-Werke aus der Sammlung Seinsoth gehen an die Weserburg Museum für moderne Kunst

Große Freude in der Weserburg Museum für moderne Kunst! Am 03. Dezember 2019 wurde das etwa 210 Einzelwerke und Serien umfassende Konvolut von Norbert Schwontkowski aus der Sammlung Brigitte und Udo Seinsoth dem Haus als Dauerleihgabe übergeben. Eine spätere Schenkung ist geplant. Um dieses Vorhaben zu unterstreichen, hat Udo Seinsoth die 18-teilige Serie 9 Sonaten, 9 Soldaten dem Museum bereits jetzt als Geschenk überlassen.

Auf der Basis der Sammlung Brigitte und Udo Seinsoth wird ab dem 15. Februar 2020 ein fester Schwontkowski-Raum in der Weserburg eingerichtet und einen beständigen Rahmen für Begegnungen mit diesem Bremer Künstler bieten (Eröffnung: Freitag, 14. Februar).

Brigitte und Udo Seinsoth waren nicht nur frühe Sammler und enge Freunde von Norbert Schwontkowski. Brigitte Seinsoth war auch die Erste, die ihn in ihrer Galerie Beim Steinernen Kreuz gezeigt und so einen wichtigen Beitrag zu seiner späteren, internationalen Bekanntheit geleistet hat. Dabei galt der Blick des Paares immer dem Besonderen im Werk des Künstlers: Neben zahlreichen Gemälden gründet die Sammlung Seinsoth wesentlich auf den Arbeiten auf Papier, die für Schwontkowski eine ebenbürtig wichtige Rolle neben seinen Gemälden spielten. Janneke de Vries, Direktorin der Weserburg: „Mit der Sammlung Seinsoth bekommen wir einen Schatz ins Haus, der ein besonderes Augenmerk auf den leisen, humorvollen, melancholischen Norbert Schwontkowski legt. Ich bin überglücklich, zukünftig in Grafiken und Skizzenbüchern, Zeichnungen und Briefen noch unbekanntere Seiten des Künstlers zeigen und diese mit seinen wunderbaren Gemälden verknüpfen zu können.“

Udo Seinsoth: „Meine Tochter Karin und ich haben entschieden, die Sammlung nicht zu veräußern, sondern sie als Ganzes zu erhalten und sie in Bremen, dem Geburtsort des Künstlers, zu belassen. Damit verlässt sie den privaten Raum und wird einer öffentlichen Institution übergeben. Ganz bewusst soll damit der gerade zu beobachtende Neuanfang des Museums Weserburg unterstützt und dem Haus weiteres künstlerisches Gewicht verliehen werden. Die Sammlung soll darüber hinaus als Basis für den Aufbau einer umfangreichen Schwontkowski-Sammlung dienen, um diesem Ausnahmekünstler in seiner Heimatstadt einen dauerhaften Standort zu bieten. Die Voraussetzung für eine letztendliche Schenkung ist allerdings, dass auch die Politik in der Hansestadt sich endlich nachvollziehbar und verlässlich zum Museum Weserburg bekennt.“

Jan Harriefeld
PR & Marketing
Weserburg Museum für moderne Kunst
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Swantje Cieplik & Janneke de Vries: Norbert Schwontkowski

2019 gelangten rund 210 Einzelwerke von Norbert Schwontkowski aus der Sammlung Brigitte und Udo Seinsoth dauerhaft in die Weserburg Museum für moderne Kunst. Der Künstlerraum zu Norbert Schwontkowski ergänzt Hauptwerke der Sammlung Seinsoth durch weitere Leihgaben und erfährt einmal im Jahr eine neue Gewichtung.

Das Schaffen von Norbert Schwontkowski (geb. 1949 in Bumenthal, gest. 2013 in Bremen) kreist um die großen Themen menschlicher Existenz. Seine Bilderzählungen sind melancholisch und skurril, poetisch und humorvoll zugleich. Der Mensch steht im Mittelpunkt: suchend, fragend und oft einsam inmitten eines in erdhaften Farben angelegten, nahezu leeren Bildgrundes.

Seine bildnerische Poesie ergänzt der Künstler dabei oft mit einer sprachlichen Ebene oder musikalischen Impulsen. Eine der präsentierten Arbeiten trägt z.B. den Schriftzug „visuel poetry“ (visuel poetry, 2009) und fungiert innerhalb des Raums wie eine Überschrift für Schwontkowskis gesamtes Schaffen. An anderer Stelle zeichnet die Darstellung einer Vinylschallplatte der Doors zusammen mit dem Werkstitel und dem Wissen um einen der bekanntesten Songs dieser Gruppe (The End, 1967) ein Bild der Vergänglichkeit ((Pforte) The Doors, 1998). Die benachbarte Arbeit 9 Sonaten 9 Soldaten (198) steht ebenfalls für die Rolle der Musik im Werk von Norbert Schwontkowski. Entstanden in der Hochzeit des Kalten Krieges kontrastiert diese früher Serie jeweils eine abstrakte, dunkel lastende Darstellung mit formal reduzierten Linienzeichnungen auf weißem Grund, die vereinzelte Soldaten bei alltäglichen Verrichtungen zeigen: Beim Bügeln, Meditieren, Nudeln essen, Schlafen oder Querflöte spielen. Zeitvertreib angesichts einer globalen Bedrohung?

Die Sammlung Seinsoth konzentriert sich neben den weithin bekannten Gemälden in besonderem Maße auf Arbeiten auf Papier. Obwohl der Künstler sie in seinem Schaffen immer als der Malerei ebenbürtig empfand, zeigen sie den eher unbekannten Schwontkowski: Eine unbetitelte Dreiergruppe aus dem Jahr 2000 z.B. scheint in roten Linienzeichnungen auf leerem Papiergrund unterschiedliche Weisen durchzuspielen, dem Leben zu begegnen: Einmal als leichtfüßiges Hüpfen (ins Ungewisse), dann als zurückgezogenes Sinnieren und schließlich als belastetes Vorwärtsquälen. Das benachbarte Bildpaar knüpft so poetisch wie humorvoll an diese Haltung der Existenzbefragung an und zeigt zwei Einzelfiguren bei ihren Versuchen, die Welt zu begreifen (8. Versuch die Welt zu begreifen, 11. Versuch die Welt zu begreifen, 1993).