ACHTUNG – SIE VERLASSEN JETZT WEST-BERLIN
 
CFA freut sich, Filme von Karin Bandelin aus fünf Jahrzehnten zu zeigen. Inhaltlich beschreiben die ca. 30 Werke (entstanden auf 16mm, Super 8 und Video) etwas „Pseudodokumentarisches“. Die inszenierten „Dokumentarfilme“ handeln von nächtlichen Grenzübertritten, Reisen ins Unbekannte, Weltschmerz, Alleinsein und dem friedlichen Nebeneinander. Sie bewegen sich zwischen den Welten der Politik und der Emotionen.
 
West-Berlin ist dabei Schauplatz und Projektionsfläche zugleich. Während des Studiums nach West-Berlin gekommen – der Insel, die sowohl Freiheit von bürgerlichen Lebensformen als auch sicherer Hafen für aus dem Osten Geflohene bedeutete – beschäftigt sich Bandelin mit eben diesen Motiven der Stadt. Einsamkeit, Teilung, Freiheitswille und ausufernder Raum bestimmen die Videos und werden zu erfahrbarer Geschichte. Dabei kommt es zu Kooperationen mit anderen Berliner Künstlern wie Lil Picard, Clemens Schick, Peter Riegelbauer, Ewa Wykiel, Mari Kawanishi, Moon Suk, Nadezda Filipova, Ginka Steinwachs und vielen anderen.
 
Dieser Freiraum endet allerdings nicht mit den Grenzen West-Berlins, dessen Insellage als Sprungbrett für Reisen in die Ferne fungiert. Schauplätze sind Albanien, Hawaii, Kuba oder Marokko, universell emotional, oft politisch und die Vergangenheit einbeziehend. Wir begegnen Seeleuten auf hoher See irgendwo zwischen Italien und Frankreich, die von ihrer Sehnsucht nach der Heimat erzählen oder versuchen in Albanien vergeblich an Land zu kommen, um schließlich in einem Strandrestaurant zu landen.
 
Karin Bandelin kam zum Studium der Medizin nach West-Berlin und nutze die dort vorhandene Freiheit gleich dazu, sich auch dem Filmstudium zu widmen. Nach Stationen als Regieassistentin bei Niklaus Schilling und Hans C Blumenberg wendete sie sich zunächst wieder der Medizin zu. Die eigene Praxis, sowie umfangreiche Lehr- und Vortragsreisen ließen weniger Zeit für Filmisches, doch Video blieb weiterhin das Medium, um sich auszudrücken. In über fünf Jahrzehnten sind mehr als 40 Filme entstanden, von denen CFA eine Auswahl präsentiert.