B-DU DU, dieser sich jeglichen Sinns, jeglicher Bedeutung entziehende Titel ist exemplarisch für Maki Na Kamuras Verständnis von Malerei. Sinn gibt sie ihm selbst, indem sie entscheidet, dass diese non-sense Aneinanderreihung von Buchstaben in ihrem persönlichen Glossar für die Bildsprache des Unangepassten, des Unliterarischen steht. Es ist eine Behauptung, so wie auch ihre Bilder Behauptungen sind.

Wo die Künstlerin vermeintlich ideale Landschaften malt bzw. malend paraphrasiert, tut sie dies immer unter der Prämisse – der Behauptung – dass das Bild nichts erzählen soll, keine höheren Wahrheiten verkündet und keine Bedeutung über sich selbst hinaus haben kann, soll und will. Es muss als Bild bestehen. Wenn zum Beispiel als kompositorische Anregung Giorgiones Schlummernde Venus (1510) paraphrasiert wird, dann nicht als sinnliches Moment, sondern als abstrakte Auflösung des Bildes, „als freie Fläche und Öffnung mitten im Bild“ (Robert Fleck 2016). Werden Die Ährenleserinnen (1857) von Jean-François Millet im Bild angedeutet – von denen Na Kamura nach langem Studium dieses Bildmotivs behauptet, Millet habe sie nicht, wie immer behauptet, plein air gepinselt, sondern vielmehr von Poussins Figuren Gebrauch gemacht – so werden sie wegen ihrer spiralen Bewegung von Na Kamura als Geste übernommen. 

Die Kunstgeschichte ist Na Kamura dabei kein Zitatenschatz, den sie bildungsbürgerlich rezitiert. Ihre Methode ist vielleicht sowieso besser mit Sezieren als mit Zitieren beschrieben. Sie zerlegt Bildelemente historischer Vorgänger, bis von diesen nur noch Geste und Struktur übrigbleibt. Die so ihrer Kontexte, Sinn- und Bedeutungszusammenhänge freigelegten Motive werden Teil ihrer Trickkiste oder Mustersammlung formaler und gestischer Elemente, die so selbstverständlich einsetzt wie Leinwand und Farbe. 

Konzeptionell steht Na Kamura damit eher in der Tradition der abstrakten Kunst, deren Dualität zur figurativ-narrativen Kunst für die Künstlerin aus oben genannten Gründen aber ohnehin obsolet, als Thema nicht interessant ist.

Ihr sezierender Blick hat mittlerweile die Grenzen der Kunstgeschichte überschritten. In den vergangenen Monaten des Corona-Lockdowns hat die Künstlerin ihren Bilderatlas erweitert. Na Kamura hat sich intensiv mit dem Phänomen des K-Pop auseinandergesetzt. Sie ist fasziniert von den hypersynchronen, mit militärischem Drill und in Perfektion erarbeiteten Choreografien makellos aussehender, junger koreanischer sogenannter Idols in Boygroups, die sich eines internationalen Fankults erfreuen. Die Idols werden abwechselnd von der Kamera erfasst, indem sie ihre Formation ständig ändern. Sie fungieren jede Sekunde als ein Bild des Ganzen und glänzen gleichzeitig einzeln als Individuen.

Wer also bislang annahm, die Künstlerin wiederverwerte nur Hochkultur, wird eines Besseren belehrt. Na Kamuras sezierender Blick ist neugierig und hierarchielos. Wenn auch gänzlich anders motiviert, so erinnert das Schauen und Verwerten Na Kamuras am ehesten an Aby Warburgs Mnemosyne Bilderatlas, der wiederkehrende visuelle Themen und Muster von der Antike über die Renaissance bis zur Gegenwartskultur nachzeichnet. Wo in seinem Bilderatlas antike Vasenbemalungen auf zeitgenössische Reklamedarstellungen treffen, da finden sich in den neuen Bildern Na Kamuras Schemen choreographiert tanzender Teenager in idealen Bildlandschaften wieder. 

Eigentlich können wir das aber auch alles wieder sofort vergessen. Was zählt und an was Maki Na Kamura gemessen wird und werden will, ist das Bild, nicht der Weg dahin. Oder, um es in ihren eigenen Worten zu sagen „Meine Hand ist fähig, Bilder herzustellen, ohne zu wissen, warum sie es tut. Bilder malen ist an sich ein absurder Akt, dessen Irrationalität ein Gut für die Zukunft sein kann.“

Maki Na Kamura wurde in Japan geboren und lebt und arbeitet in Berlin. Die Künstlerin wurde durch institutionelle Ausstellungen u.a. im Oldenburger Kunstverein, im Bilbao Arte – Centro de Arte Contemporaneo, Bilbao, im Museum Haus Kasuya in Yokosuka, Japan; im Karl-Ernst-Osthaus-Museum in Hagen und im Museum Dhondt-Dhaenens in Deurle, Belgien geehrt. Dies ist die zweite Einzelausstellung, die ihr Contemporary Fine Arts widmet.



B-DU DU—a nonsensical string of letters, a title that amounts to a gibberish of sorts—is typical for Maki Na Kamuras understanding of painting. It’s something she assigns her own meaning to, as here she deems it a visual idiom for the incongruous and the unliterary. This is an assertion, just as her paintings are. 

Where Na Kamura paraphrases apparently ideal painted landscapes, she does so only under the premise that the image should say nothing, proclaim no higher truth. It cannot (or should not or will not) have any meaning beyond itself. It exists, rather, as an image. If she alludes to Giorgione’s Sleeping Venus (1510), for instance, she is uninterested in the painting as something sensual, conducting rather an abstract dissolution of the image, which critic Robert Fleck described „as an empty space and a void in the picture’s center.“ If Na Kamura evokes Jean-François Millet’s The Gleaners (1857), which she studied extensively, learning also that Millet had not painted his peasant women from life, but rather availed them from Poussin, it is in a spiraled motion through which Na Kamura channels Millet’s gesture.

But art history is no treasure trove of reference points for Na Kamura. Her method is better described as dissecting than as quoting anyway. She investigates and breaks down the pictorial elements from the history of the medium, reducing them to gesture and structure. Motifs are liberated from their contexts. Like a bag of tricks, mean-ing and conceptual relationships become formal and gestural elements in paint on canvas. 

While she turns to history of figurative painting, Na Kamura’s oeuvre is more closely aligned with abstraction, though discerning a distinction or interaction between the two is of no interest to her. Over the past months in lockdown, Na Kamura has begun to look beyond art historical purview in a deep dive into K-Pop. She is fascinated by the cult phenomenon’s synchronized choreography, devised with military precision and immaculate aesthetics. Indeed, in every instance, each of the young Korean idols functions as an image of the group and stands out as an individual.

The visual material that filters into Na Kamura’s paintings is wide-ranging. Her dissecting gaze remains curious and open. This mode of looking, of resituating, is reminiscent of Aby Warburg’s Mnemosyne Atlas which maps recurrent visual phenomena and patterns from antiquity through to the present day. While their motivation and output of course vary greatly, consider, for instance, Warburg’s pairing of ancient vases and contemporary advertising as analogous to Na Kamura’s recent paintings that place meticulously coordinated dancing teenagers in idealized classical landscapes.

But let’s forget about all this. What really counts, what this artist is or intends or is interested in is above all the painting, not the path to it. To put it in her own words: „My hands can produce images without knowing why they do it. Painting is in itself an absurd act—its irrationality can be an asset for the future.“

Maki Na Kamura was born in Japan and lives and works in Berlin. Recent institutional exhibitions include the Oldenburger Kunstverein; Bilbao Arte – Centro de arte Contemporaneo, Bilbao; Museum Haus Kasuya, Yokosuka, Japan; Karl-Ernst-Osthaus-Museum, Hagen and Museum Dhondt-Dhaenens, Deurle, Belgium, among others. This is her second solo exhibition with the gallery.