Süddeutsche Zeitung: Luft, Licht, Himmel

Sicher hatten es die ruhigen, leinwandfernen Künstler im und nach dem Getöse der wilden westdeutschen 1980er-Jahre schwer, Gehör zu finden. Einer leiseren Stimme aus dem Chor der Malerei widmet sich die Galerie Contemporary Fine Arts: dem 2013 verstorbenen Norbert Schwontkowski, der dieses Jahr 70 Jahre alte geworden wäre. Anders als die grell-gezackten Szenerien aus dem Nachtleben seiner Berliner oder der Polit-Pop mancher rheinländischer Kollegen warten Schwontkowskis zurückhaltende Gemälde ab, ob und bis sich ihnen jemand zuwendet - was sich auch auf den Maler selbst und seine späte Bekanntheit übertragen lässt.

Selbst das Bildpersonal ist überwiegend mit sich selbst befasst. Da blickt ein mit Hose, Hemd und Fliege bekleideter Mann selbstvergessen in die Ferne, die Füße in ein Becken eingetaucht ("Das Bad", 2011). In "Waiting for Hans" (2010) schielt ein Gaul um die Ecke einer Stallung, deren tiefes Braun fast die gesamte Leinwand füllt: Es ist nicht so, als ob man bei Schwontkowski nicht auch schmunzeln könnte. Vor allem lässt diese Ausstellung ihre Protagonisten und die Betrachter in Durchblicke und Öffnungen schauen. So auch im "8. Versuch, die Welt zu begreifen" (1994), einer nahezu monochrom grau-ockerfarbigen Leinwand, auf der sich ein wie hingetuscht gemaltes Männchen über ein schwarzes Loch im Boden beugt: einige Pinselstriche nur, und doch ein Rätsel von kosmischen Dimensionen (bis 7. März).